Archiv der Kategorie: Taktikschule

NFL-Taktikschule

Teil 3 – Defensive Formationen

Parallel zu den offensiven Formationen des letzten Teils, folgen heute die Aufstellungen der Defensive. Diese wurden zwar schon in der ersten Ausgabe im Zusammenhang mit den defensiven Positionen angeschnitten, allerdings lohnt sich eine zusätzliche Wiederholung der Grundlagen und eine Vertiefung verschiedener Aspekte. Dieser Teil soll die oberflächlichen, optischen Aspekte auf dem Spielfeld abschließen, damit wir uns anschließend um die tiefergehende, mentale Ebene des Sports kümmern können.

Ähnlich wie bei den Offensiven Formationen gibt es auch in der Verteidigung unterschiedliches Personal, das an unterschiedlichen Positionen zum Einsatz kommen kann. Für die bestmögliche Übersichtlichkeit habe ich erneut einige Signalfarben etabliert, die in den folgenden Grafiken genutzt werden:

3-4 Formation

Die grundlegendste Unterscheidung in Defensiven Aufstellungen ist die Anzahl der Defensive Linemen und der Linebacker auf dem Feld. Stellt man beispielweise nur drei Spieler in die defensive Verteidigungslinie und setzte stattdessen auf vier Linebacker, spricht man von einem sogenannten 3-4 System. An dieser Aufstellung knüpfen sich die weiteren Aufgabenbereiche der einzelnen Spieler, was bereits im Zusammenhang mit den Positionen genau erklärt wurde.

Bild I.1: Die klassische 3-4 Aufstellung mit 3 DL, 4 LBs, 2 Safties und 2 CBs.

Grundsätzlich zählt sie zur „base-defense“, da sie meist bei den ersten beiden Versuchen eingesetzt wird. Sie kann flexibel gegen den Lauf und das Passspiel arbeiten. Die Linemen haben dabei die wichtige Aufgabe so viele Blocker wie möglich zu binden, damit die Linebacker hinter ihnen möglichst problemlos den Läufer tackeln können oder sich auf die Deckung ihrer Gegenspieler konzentrieren können. Dabei bleiben dem defensiven Koordinator eine Vielzahl an Möglichkeiten, um die Offensive zu verwirren und besondere Kniffe wie einen Blitz oder QB-Spy einzustreuen. Die Aufstellung wird von vier Defensive Backs vervollständigt, die sich je nach Spielzug um den Defensive Kern herum positionieren.

4-3 Formation

Das Gegenstück zur 3-4 Formation ist das 4-3 System. Dabei wird die Anzahl der Linemen mit den Linebacker vertauscht. Sprich: Die D-Line besteht aus vier Spielern, hinter denen drei Linebacker stehen. Sie gehört ebenfalls zur „base defense“ und wird ebenfalls in aller Regel bei den „base downs“ (1st und 2nd down) eingesetzt.

Bild II.1: Eine klassische 4-3 Formation mit 4 DL, 3 LBs, 2 Safeties und 2 CBs.

Ein Team wählt normalerweise zu Beginn einer Saison eine der zwei grundlegenden Formationen aus, die am besten zu dem vorhandenen Spielermaterial und den Vorstellungen des Coaches passt. Es gibt auch einige Hybrid-Systeme, die ihre Verteidigung möglichst unberechenbar halten wollen. Dies ist jedoch eher selten der Fall. Im Gegensatz zum 3-4 System fällt hier der Pass-Rush eher ins Aufgabengebiet der Defensive Ends, allerdings sind auch Blitze von den Linebacker und der Cornerback als Überraschungselement möglich. In dieser Formation finden ebenfalls vier Defensive Backs außerhalb des Kerns ihren Platz.

Übrigens: Der hier als „defensive Kern“ bezeichnete Bereich wird im American Football offiziell als Box bezeichnet. Er umfasst das Gebiet im Zentrum des Spielfeldes. In dem Beispiel auf Bild II.1 wären also insgesamt sieben Spieler „in the box“ und vier „outside of the box“. Diese Zahl ist vor allem für den Playcall von Laufspielzügen und das Blocking-Schema wichtig.

Variationen der Base-Defense

Die beiden defensiven Schema haben sich aber auch erst in den letzten Jahrzehnten als die dominanten Grundverteidigungen herauskristallisiert. Diese Vorherrschaft hängt eng mit der offensiven Entwicklung des Passspiels zusammen, das in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger wurde. In den frühen Jahren als das Laufspiel die Liga dominierte, waren auch fünf bis sechs Linemen in der Verteidigung alltäglich. Die 6-2 Defense (vgl. Bild III.1) setzte beispielsweise auf sechs Männer in der D-Line, zwei Linebacker und drei Defensive Backs. Insbesondere in den 1930er Jahren war diese Verteidigungsformation weitverbreitet und wurde dann in den 40er-Jahren durch die 5-2 und 5-3 Verteidigungen (vgl. Bild III.2+3) abgelöst. Diese Formationen und ihre Variationen haben im College noch ihre regelmäßigen Auftritte, da dort das Laufspiel noch deutlich verbreiteter ist. Ähnlich verhält es sich mit der 4-4 Defense (vgl. Bild III.4) an der High-School. Diese ist zwar bei schwachen Cornerbacks über den Pass anfällig, allerdings mit vier Linebackern und vier Linemen besonders stark im Stoppen des Laufs.

Aber auch in der NFL gibt es ein paar Variationen, die heute noch genutzt werden. So verschiebt man in der 4-3 over (vgl. Bild III.5) oder 4-3 under Defense (vgl. Bild III.6) entweder den Sam- oder Will-Linebacker auf die starke oder schwache Seite neben die D-Line. Dadurch erhöht die Verteidigung den Druck auf die jeweilige Seite der Offensive-Line und kann mit einem Blitz des Linebackers einen Sack forcieren. Einen Schritt weiter geht die 46 Defense (vgl. Bild III.7), die eine weitere Variante der 4-3 Defense ist. Hier verschieben sowhl der Sam als auch der Will auf die schwache Seite des Feldes, während der Strong Safety das Feld herunterkommt und die Rolle des Sam-Linebackers übernimmt.

Nickel and Dime – Formationen

Die meisten defensiven Variationen in der modernen NFL passieren jedoch nicht in der Box, sondern außerhalb statt. Da die Liga in den letzten Jahren besonders durch den Pass geprägt ist, finden zusätzliche Defensive Backs ihren Weg in die Formationen. Davon erhofft man sich eine bessere Verteidigung gegen den Pass. Daher kommen die zusätzlichen DBs meist bei 2nd und 3rd Downs aufs Feld, wenn die gegnerische Mannschaft noch so viele Yards zum neuen 1st Down fehlen, dass sie zum Pass gezwungen wird.

Stellt die Verteidigung einen zusätzlichen DB aufs Feld, spricht man von einem Nickelback. Dieser kann entweder auf Kosten eines Linebackers oder eines Linemen eingesetzt werden. Daraus ergeben sich dann verschiedene Aufstellungsmöglichkeiten: Bei der 4-2-5 Formation wird einer der Linebacker aus der 4-3 Verteidigung gegen den Nickelback eingetauscht (vgl. Bild IV.1). Alternativ kann auch ein Linemen aus der 4-3 Defense (oder ein Linebacker aus der 3-4 Formation) ausgetauscht werden, sodass Aufstellungen wie die 3-3-5 (vgl. Bild IV.2) oder 3-5-3 (vgl. Bild IV.3) entstehen können.

Fügt die Verteidigung noch einen sechsten Defensive Back in ihre Aufstellung ein, spricht man von einem Dimeback. Dieser kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn die Offensive sich mit vier Wide Receivern aufstellt und somit zusätzlicher Schutz gegen den Pass notwendig wird. Auch hier gibt es unterschiedlich Herangehensweisen aus den Grundformationen: Aus einem 4-3 entsteht dann meist ein 4-1-6 (vgl. Bild IV.4), während sich aus der 3-4 Formation eine 3-2-6 Defense (vgl. IV.5) formiert.

Goal-Line Defense

Neben verschiedenen Varianten der Base-Defense und einiger besonderer Verteidigungsmodelle gegen den Pass, gibt es noch zwei weitere spezielle defensive Formationen. Diese kommen nur in bestimmten Spielsituationen zum Einsatz, sind dann jedoch unverzichtbar. Die erste dieser besonderen Aufstellungen ist die Goal-Line Defense. Sie wird (wie der Name es schon vermuten lässt) an der eigenen Endzone genutzt, um einen nahezu unvermeidbaren Touchdown abzuwenden. Aber auch in Situationen, in denen das gegnerische Team nur wenige Yards für einen neuen Versuch braucht und offensichtlich einen Laufspielzug laufen werden, lohnt sich eine Variante der Goal-Line Defense.

Der große Nachteil der Formation ist allerdings der mangelhafte Schutz gegen den Pass, weswegen unerwartete, kurze Pässe in diesen Situationen ein probates Mittel gegen diese Formation sein können. Die genaue Positionierung der Spieler orientiert sich an der Formation der Offensive, weswegen ich in der folgenden Diashow zwei unterschiedliche Goal-Line Aufstellungen zeigen möchte, die auf verschiedene Herangehensweisen des Angriffs reagieren.

Generell stellen sich in der Goal-Line Defense mehr Linemen als üblich an der Line-of-Scrimmage auf. Außerdem fällt die Position des Free-Safety weg, da Feld nach hinten zu eng wird. Lediglich der Strong-Safety wird in manchen Formationen genutzt (vgl. Bild V.1). Stellt die Offensive ein paar Receiver auf, damit sie schwerer auszurechnen ist, muss die Verteidigung reagieren. Dann kommen auch ein bis zwei Cornerbacks zum Abdecken der Receiver zum Einsatz (vgl. Bild V.2).

Prevent-Defense

Die zweite besondere Verteidigungsformation ist die sogenannte Prevent-Defense. Diese kommt in Situationen zum Einsatz, wenn die Verteidigung einen tiefen Pass mit allen Mitteln verhindern möchte. Vor allem gegen die sogenannte Hail Mary kann diese Formation mit sieben DBs und nur einem Linebacker brillieren. Sie ist das letzte gewählte Mittel, um bei weniger Sekunden auf der Uhr noch einen verzweifelten Versuch für einen Touchdown aus großer Distanz zu verhindern. Ansonsten findet diese Formation kaum Verwendung.

Bild VI.1: Die Prevent Defense mit 4 CBs und 3 Safeties gegen eine empty-backfield Formation, aus der in der letzten Sekunde ein Hail Mary-Pass erfolgen wird.

NFL-Taktikschule

Teil 2 – Offensive Formationen

Der erste Teil der Taktikschule konnte mit den Erklärungen der Positionen das Fundament für ein taktisches Verständnis des American Footballs legen. Darauf möchte ich in der zweiten Ausgabe aufbauen und die verschiedenen Formationsmöglichkeiten der Offensive erarbeiten. Die Aufstellung des Gegners kann Anhaltspunkte geben, welcher Spielzug folgen könnte. Daher ist es wichtig sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn man ein besseres Gefühl für den Sport bekommen möchte.

Zu den Formationen allgemein:

Bevor die einzelnen Formationen genauer untersucht werden, gibt es noch ein paar allgemeine Ding vorab zu erläutern. Grundsätzlich gilt nämlich: Alle Formationen sind nur grobe Vorlagen. Wie im Laufe des Artikels deutlich werden wird, gibt es eine Vielzahl möglicher Variationen der einzelnen Aufstellungen. Das betrifft dabei nicht nur die Positionierung der Spieler, sondern auch das Personal, das auf dem Feld steht. Die Variabilität ist der Grundstein einer erfolgreichen Offensive, da man den Gegner durch neue Varianten überraschen und aus der Reserve locken möchte. Daher habe ich für die Grafiken in dieser Ausgabe eine gesonderte Farbgebung gewählt, die das genutzte Personal auf einen Blick erkennbar machen soll. Dafür folgt unten eine kurze Legende, die an einem Beispiel den verschiedenen Farben einen Sinn geben soll:

Die I-Formation

Die sogenannte I-Formation ist eine der grundlegendsten Formationen im American Football. Sie gibt es bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts, wird allerdings in der modernen NFL tendenziell selten benutzt. Ihren Namen verdankt sie der Anordnung des Quarterbacks und der zwei Runningbacks im Backfield, die gemeinsam den Buchstaben „i“ formen.

Die einfachste Version stellt die Standard I-Formation dar (vgl. Bild I.1). Hierfür positioniert sich der Quarterback unmittelbar hinter dem Center, während der Full- und der Halfback sich in einer geraden Linie hinter ihm aufstellen. Typischerweise wird an einer Seite der Offensive-Line ein Tight End aufgestellt und zwei Wide Receiver sollen außen das Feld breiter machen.

Bild I.1: Die Standard I-Formation mit 2 RBs, 2 WRs und 1 TE.

Diese Formation suggeriert durch die zwei Receiver eine gewisse Flexibilität, allerdings ist sie primär für das Laufspiel ausgelegt. Aus dieser Formation heraus übergibt der Quarterback in der Regel den Ball an den Halfback, der sich dann hinter dem Fullback seinen Weg durch die gegnerische Verteidigung sucht. Der Fullback fungiert dann als sogenannter Lead-Blocker, der den Weg für den Spieler mit dem Ball freimachen soll. Möchte man die Defense überraschen und aus dem Konzept bringen, kann aus dieser Formation auch der Fullback den Ball für einen Lauf erhalten.

Dennoch ist es möglich auch aus dieser Formation zu passen. Mit den zwei Receivern und dem Tight End hat man drei Passempfänger und auch die Runningbacks können potenziell selbst Routen laufen oder als Blocker gegen den Pass-Rush arbeiten. An dieser Stelle lässt sich durch eine personelle Variation die Gefahr des Passspiels steigern. In der sogenannten Three Wide I-Formation (vgl. Bild I.2) wird ein Tight End gegen einen zusätzlichen Wide Receiver eingetauscht.

Bild I.2: Die Three Wide I-Formation mit 2 RBs und 3 WRs.

Ähnliche personelle Veränderungen können aber umgekehrt genauso den Lauf bestärken und unterstützen. Hier bietet sich beispielsweise die Big I-Formation (vgl. Bild I.3) an, die einen Receiver durch einen zusätzlichen Tight End ersetzt. Die Power I-Formation (vgl. Bild I.4) bringt sogar einen dritten Runningback neben den Fullback als zusätzlichen Blocker aufs Feld, um dem Halfback das Leben zu vereinfachen. Eine weitere verbreitete Alternative des Konzeptes ist die sogenannte Offset-I-Formation, bei der sich der Fullback nicht in einer geraden Linie, sondern leicht nach links oder rechts versetzt aufstellt. In dem hier gewählten Beispiel (vgl. Bild I.5) stellt sich der Fullback nach rechts auf die Seite mit dem Tight End, also auf die starke Seite. Man spricht dann von einer Strong-I-Formation oder im umgekehrten Fall (vgl. Bild I.6) von einer Weak-I-Formation. Je nachdem auf welche Seite der FB verschiebt, wird der Laufspielzug wohl in diese Richtung ausgeführt, da auf dieser Seite der bestmögliche Schutz des Runningbacks möglich ist.

Es wird also schon an der ersten Formation deutlich, dass es viele Variationsmöglichkeiten zu jeder Grundaufstellung gibt. Diese sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Offensive, da man besonders erfolgreiche Spielzüge in aller Regel nur dann hat, wenn man den Gegner auf dem falschen Fuß erwischt. In diesem Zusammenhang ist besonders das Wort Tendenz von großer Wichtigkeit. Dieses Thema wird in einer der kommenden Folgen intensiver behandelt, da es einen hohen Stellenwert im American Football genießt und gesondert vorgestellt werden soll. An dieser Stelle soll nur schon einmal angemerkt werden, dass die Aufstellungen und ihre Variationen dabei wichtig sein werden.

Pro-Set

Ähnlich wie die I-Formation ist die Pro-Set Aufstellung in den frühen Jahren des Footballs entstanden und in der modernen NFL etwas aus der Mode gekommen. Der Grund dafür ist, dass die NFL sich in den letzten Jahren immer mehr zu einer primären Pass-Liga entwickelt hat. Deswegen stellt man heutzutage lieber einen zusätzlichen Tight End oder Receiver, anstelle eines zweiten Runningbacks im Backfield auf.

Aus dieser Beschreibung lässt sich die Grundstruktur der Formation bereits ableiten: Wie bei der I-Formation steht der QB unmittelbar hinter dem Center. Allerdings stehen die zwei Runningbacks nicht in einer geraden Linie hinter ihm, sondern leicht nach links und rechts versetzt (vgl. Bild II.1).

Bild II.1: Die Pro Set Formation mit 2 RBs, 2 WRs und 1 TE.

Dadurch lassen sich die beiden Runningbacks leichter in das Passspiel integrieren. Allerdings leidet darunter die Gefahr des Laufspiels durch die Mitte, weswegen sich einzelne Variationen zur Aufgabe gemacht haben, diesen wieder zu stärken. In dem Strong Pro Set und dem Weak Pro Set positioniert sich entweder der Halfback oder der Fullback hinter dem QB, wodurch der andere RB automatisch zum Vorblocker (Lead-Blocker) des anderen wird.

Insgesamt ist die Pro Set Aufstellung also eine passfreundlichere Aufstellung im Vergleich zur I-Formation. Die Runningbacks können schneller in ihre Routen kommen und sind auch als Blocker früher zur Stelle. Das stärkt insbesondere den kurzen Pass. Da das Laufspiel in dieser Formation fast ausschließlich über die Außen funktionieren kann, hat man sich mit dem Weak und Strong Pro Set Alternativen für den Lauf durch die Mitte gesucht.

Singleback Formation

In den Zeitgeist der aktuellen NFL passt die Singleback Formation (auch Single set back Formation genannt) deutlich besser als die vorherigen zwei Formationen. Wie der Name schon vermuten lässt, verzichtet diese Formation auf einen der zwei Runningbacks und setzt stattdessen auf einen zusätzlichen Wide Receiver oder Tight End (vgl. Bild III.1).

Bild III.1: Ein Beispiel für eine Singleback Formation mit 1 RB, 3 WRs, und 1 TE.

Generell sind in der Singleback Formation eine wahnsinnige Vielzahl an Varianten möglich. Die einzige zuverlässigen Erkenntnismerkmale sind der einsame Runningback im Backfield (ungefähr 5 Yards hinter dem QB) und der Quarterback, der unmittelbar hinter dem Center den Snap in Empfang nimmt.

Die Formation ist grundsätzlich für den Pass ausgelegt, da man weniger Präsenz im Backfield und dafür mehr Personal an der Line-of-Scrimmage hat. Dennoch können auch aus dieser Formation effektive Laufspielzüge entstehen: Der zusätzliche Wide Receiver bietet das Potenzial einen Verteidiger aus der Mitte des Spielfeldes herauszuziehen und so Räume für einen Lauf zu öffnen. Außerdem kann das Laufspiel auch durch einen zusätzlichen TE in der Offensiv-Line gestärkt werden, der dann als weiterer Blocker agiert (vgl. Bild III.2).

Bild III.2: Ein Beispiel für eine Singleback Ace Formation mit 1 RB, 2 WRs und 2 TEs.

Darüber hinaus kann das Personal auch in 4 Wide Receiver ohne Tight End aufgeteilt werden, sodass das Passspiel maximale Gefahr ausstrahlen kann. Die Singleback Spread eignet sich also besonders für Situationen, in denen die Offense große Distanzen durch die Luft überbrücken muss (vgl. Bild III.3).

Bild III.3: Die Singleback Spread Formation mit 1 RB und 4 WRs (2×2).

Diese unterschiedlichen Personalverteilungen auf dem Feld können dann in einer sehr breiten Vielfalt positioniert werden. So ist es möglich in einer Ace Formation einen Overload auf einer Seite zu forcieren, indem man beide Tight Ends auf eine Seite der O-Line aufstellt (vgl. Bild III.4). So wird der Lauf über die gewählte Seite durch mehr Blocking vereinfacht. Alternativ lassen sich in dieser Aufstellung dann zwei Wide Receiver nebeneinander (Twins) auf der gegenüberliegenden Seite positionieren, um auf der schwachen Seite über den Pass gefährlich werden zu können (vgl. Bild III.5).

Ein beliebtes Mittel in dieser Formation ist auch die Bunch-Positionierung der Receiver. Diese zeichnet sich durch drei Passempfänger aus, die sich nah in einem kleinen Dreieck auf einer Spielfeldseite aufstellen. Ziel davon ist es eine zahlenmäßige Überlegenheit auf einer Seite zu erzielen, um einen freien Pass spielen zu können. In diese Aufstellung lässt sich auch ein Tight End integrieren (vgl. Bild III.6) oder man positioniert ihn auf der gegenüberliegenden Seite, um dort die Gefahr des Laufspiels zu etablieren (vgl. Bild III.7).

Die Singleback Formation ist also einen sehr flexible Formation, an der sich ein Trainer nach Herzenslust austoben kann. Die hier angedeuteten Optionen sind dabei nur die Spitze des Eisbergs, die ein grobes Gefühl für die Aufstellung geben sollen.

Shotgun-Formation

Die Shotgun Formation setzt meist, genau wie die Singleback Formation, auf lediglich einen Runningback. Sie ist daher ebenfalls eine der populären Aufstellungen in der modernen NFL. Der große Unterschied zur Singleback Formation ist die Positionierung des Quarterbacks: Dieser steht nicht unmittelbar hinter dem Center, sondern knapp 5 Yards weiter hinten (vgl. Bild IV.1). So erhält er den Ball durch einen längeren Snap direkt mit etwas Abstand zur O-Line, sodass er einen besseren Überblick über die gegnerische Verteidigung hat. Außerdem hat der QB durch diese Formation länger Zeit sich den Spielzug anzusehen und dann den richtigen Pass zu spielen. Die Shotgun ist also eine primäre Passaufstellung und wird daher oftmals bei langen zweiten und dritten Versuchen genutzt.

Bild IV.1: Eine Variante der Shotgun Formation mit 1 RB, 3 WRs (1×2) und 1 TE.

Der Runningback steht meist direkt neben dem QB und kann aus dieser Position entweder das Blocking unterstützen oder selbst durch eine Route in das Passspiel eingebunden werden. Die restliche Aufteilung des Personals auf dem Feld erfolgt ähnlich wie bei der Singleback Formation. Das bedeutet der Trainer kann zwischen der Anzahl der Tight Ends und der Wide Receiver variieren. Der einzige Unterschied zur Singleback Formation ist, dass man bei der Shotgun auch auf ein Empty Backfield setzten kann, in dem dann lediglich der Quarterback steht. Die restlichen Spieler (im Extremfall 5 WR) stellen sich an der Line-of-Scrimmage auf (vgl. Bild IV.2).

Bild IV.2: Eine Five-Wide Aufstellung in Shotgun mit Empty Backfield und 5 WRs.

In der folgenden Diashow habe ich zur Veranschaulichung noch ein paar Variationen einfügt, um die Formation etwas zu vertiefen. Der Hintergedanke und das Prinzip hinter der Shotgun sollten aber bereits deutlich geworden sein.

Pistol-Formation

Die Pistol ist eine Mischung zwischen der Shotgun und der Singleback Formation. Der QB steht nicht unmittelbar hinter dem Center, sondern knapp drei Yards dahinter. Der Runningback stellt sich weitere zwei bis drei Yards in einer geraden Linie hinter seinem Quarterback auf. So entsteht eine Hybrid-Architektur, die dem Quarterback mehr Zeit für das Beobachten der Passrouten gibt, während sie gleichzeitig dem Läufer den Raum gibt, um Momentum für seinen Lauf zu geben, um in die richtige Lücke durchstoßen zu können (vgl. Bild V.1).

Bild V.1: Eine Variante der Pistol-Formation mit 1 RB, 3 WRs (1×2) und 1 TE.

Diese Formation ist noch nicht so alt. Sie entstand um den Jahrtausendwechsel herum im College Football und fand ihren Weg darüber in die NFL. Heute ist sie Teil des modernen Footballs, da sie gut als Tempowechsel (change of pace) eingesetzt werden kann. Ansonsten unterscheidet sich die Aufstellung nicht weiter von der Shotgun und der Singleback Formation, sodass auch hier fast identische personelle Variationen auftreten.

Goal Line-Formation

Diese Formation kommt nur in ganz besonderen Szenarien auf das Feld. Dies ist in aller Regel dann, wenn der Offensive noch ein Yard für einen Touchdown fehlen und man unbedingt den Ball noch über die Linie drücken möchte. Sie besteht aus zwei Runningbacks und drei Tight Ends, die für den maximalen Schutz sorgen sollen. Der Quarterback stellt sich unmittelbar hinter den Center, damit er möglichst schnell den Ball an einen der beiden RBs im Backfield übergeben kann. In seltenen Fällen kann dieser Formation auch mal bei einem wichtigen vierten Versuch für ein Yard aufs Feld kommen.

Bild VI.1: Goal Line Formation an der 1-Yard-Linie mit 2 RBs und 3 TEs.

Selbstverständlich gibt es auch bei dieser Formation zahlreiche Varianten, allerdings taucht die Formation an sich schon verhältnismäßig selten auf, weswegen man Variationen und Abwandlungen am besten live während eines Spiels kennenlernt.

Abschluss: weitere erwähnenswerte Formationen

Abschließend möchte ich noch auf einzelne erwähnenswerte Formationen eingehen, die zwar kaum in der NFL ans Tageslicht treten, die jedoch entweder in der Vergangenheit oder im College gerne genutzt wurden.

Ein Beispiel für eine selten genutzte Formation wäre beispielsweise die Wildcat Formation. In dieser Aufstellung steht nicht der Quarterback hinter dem Center und empfängt den Snap, sondern einer der anderen Mitspieler. Der Quarterback wird in dieser Formation dann oft als Receiver eingesetzt, da dort das Verletzungsrisiko geringer als beim Blocking oder Laufspiel ist. Die Wildcat soll für Unsicherheit und Abspracheschwierigkeiten in der Defense sorgen, bzw. den Gegner aus dem Konzept bringen. Im College-Football ist diese Formation noch sehr weit verbreitet und wird häufig genutzt.

Bild VII.1: Beispiel einer Wildcat Formation, bei der der Quarterback sich als Receiver aufstellt.

Beispiele für populäre Formationen aus der Vergangenheit, die man heute kaum noch in der Liga antrifft, sind die T-, Flexbone- oder Wishbone-Formationen. Diese stammen aus den Tagen der laufintensiven NFL, in der viele Runningbacks im Backfield genutzt wurden, um mit dem Ball zu laufen. Für das moderne passbetonte, athletische und schnell Spiel der NFL sind diese Formationen keine Alternativen mehr.

Zu guter Letzt darf natürlich nicht die Formation fehlen, die die meisten Football-Spiele beendet: die Victory-Formation. Diese Aufstellung nutzt das Gewinner-Team, wenn es im Ballbesitz ist und nur noch die Zeit ablaufen lassen muss. Beim sogenannten Abknien geht der Quarterback unmittelbar nach dem Erhalt des Footballs vom Center auf ein Knie und nimmt damit einen Yard Raumverlust hin, damit die Uhr weiterlaufen kann, bis sie vollständig abgelaufen ist. Dafür bilden klassischer Weise drei Runningbacks den Buchstaben „V“ (daher „Victory“) hinter ihrem QB.

Bild VII.5: Die Victory-Formation, bei der der QB nach dem Snap direkt sein Knie auf den Boden drückt.

NFL-Taktikschule

Teil 1 – Die Positionen und ihre Aufgaben

Bevor man in der Lage ist, tiefer in die Taktik des American Footballs einzutauchen, muss man sich zunächst mit den Positionen und Aufgaben der einzelnen Spieler in der Offensive und Defensive vertraut machen. Deswegen werden hier im ersten Schritt die einzelnen Positionen mit ihren Besonderheiten und Aufgaben möglichst übersichtlich vorgestellt und erläutert.

Offense

Die Offensive (in der Grafik als Kreise dargestellt) besteht aus elf Mann. Dabei müssen sich für jeden Spielzug sieben dieser elf Spieler auf der Höhe des Balls, der sogenannten Line-of-Scrimmage (vgl. Bild 1), aufstellen. Die übrigen vier können sich hinter dem Ball, im sogenannten Backfield (vgl. Bild 2) nach den Vorstellungen des Coaches verteilen. Daraus ergeben sich eine Vielzahl von Kombinations- und Aufstellungsmöglichkeiten des Personals.

Die grundlegende Aufgabe der Offensive besteht darin, den Ball bis an die gegnerische Endzone zu bringen und dort einen Touchdown oder zumindest ein Fieldgoal zu erzielen. Dafür muss das Team innerhalb von vier Versuchen mindestens 10 Yards Raumgewinn erzielen, um sich so Stück für Stück das Feld herunterzuarbeiten. Jeder Spieler auf dem Feld hat daher seine besondere Aufgabe bei jedem Spielzug, die dem Team am Ende beim Punkten helfen soll. Die verschiedenen Positionen haben dabei unterschiedliche physische Anforderungen, die jedoch nicht statisch festgelegt sind. Über die letzen Jahrzehnte haben sich in der Liga viele Positionen verändert, gewandelt und neu erfunden.

Jeder Spielzug beginnt damit, dass der Center den Ball zu einem Mitspieler (in der Regel seinem Quarterback) snappt. Im Anschluss ergeben sich verschiedene Möglichkeiten, wie sich ein Spielzug entwickeln kann. In den meisten Fällen gehen diese Entwicklungen von den Händen des Quarterbacks aus, weswegen diese Position als erstes erläutert werden soll.

Quarterback

Der Quarterback (QB) ist der Kopf jeder Offensive. Er ist die wohl bekannteste Position im American Football und steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Er erhält fast jeden Spielzug den Ball, den er entweder einem Mitspieler zuwirft oder dem Runningback übergibt. Einige QBs sind auch in der Lage selbst mit dem Ball in der Hand zu rennen. Damit stellen sie eine zusätzliche Gefahr für die Defensive dar. Der QB kennt alle Spielzüge aus dem Playbook der Coaches

Grundsätzlich wird von dieser Position allerdings ein starker Wurfarm, Passgenauigkeit, Führungsqualität und ein waches Köpfchen verlangt. Der Quarterback muss die Verteidigung lesen können und dementsprechend darauf reagieren. Sein Ziel ist es die beste Entscheidung für maximalen Raumgewinn zu treffen und seine Mannschaft das Feld herunterzuführen.

Er ist leicht auf dem Feld zu identifizieren. Er steht entweder unmittelbar oder einige Yards hinter dem Center, der ihm beim Snap den Ball zuwirft.

Offensive-Line

Die Offensive-Line (O-Line) hat die wichtige Aufgabe den Quraterback zu schützen. Dafür blocken sie die gegnerischen Verteidiger und geben dem Spielmacher die Zeit, das Geschehen zu lesen und die beste Entscheidung treffen zu können. Außerdem müssen sie Lücken für das Laufspiel öffnen, durch die der Runningback dann laufen kann. Eine souveräne und stabile O-Line ist also essenziell für den Erfolg der Offensive.

Die O-Line besteht in der Regel aus fünf Spielern, die unmittelbar vor dem Quarterback an der Line-of-Scrimmage stehen. Sie sind die kräftigsten, stärksten und schwersten Spieler auf dem Feld, wobei sie auch in der Lage sein müssen kleinere und flinkere Spiele zu blocken.

Im Mittelpunkt steht der Center (C, vgl. Bild 2). Er ist der Chef der O-Line und macht die Ansagen an seine Kollegen, wer für welchen Gegenspieler verantwortlich ist. Außerdem muss er sich gut mit dem Quarterback verstehen, damit er ihm im richtigen Moment den Ball snappen kann.

Links und rechts vom Center spielen die zwei Guards (G, vgl. Bild 3). Sie müssen in der Regel die weiteste Strecke bei Laufspielzügen zurücklegen, weswegen sie für ihre Größe überdurchschnittlich schnell sein müssen.

Die schwierigste Rolle übernehmen aber die zwei Tackles an den Rändern der Offensive-Line (vgl. Bild 4). Ihre Blocks auf den Außen halten nicht nur die Pocket aufrecht, sondern sind auch für die Laufspielzüge besonders wichtig. Außerdem müssen sie oftmals die deutlich schnelleren Defensive Ends und Linebacker blocken.

Der Quarterback mag vielleicht den Großteil des Ruhms in der Öffentlichkeit einsammeln, die Offensive-Line ist jedoch mindestens geanuso wichtig für den Erfolg des Teams wie er.

Runningback

Der Runningback (RB) ist eine sehr variable Position. Daher lassen sich viele verschiedene Typen von ihnen finden. Seine grundlegende Aufgabe ist es mit dem Ball in der Hand so weit wie möglich über die Line-of-Scrimmage zu laufen. Dafür eigenen sich entweder sehr starke und große Athleten, die die gegnerischen Blocks durchbrechen können oder kleine, flinke Läufer, die sich erst gar nicht tacklen lassen.

Runningbacks sind allerdings längst mehr als nur Läufer. In der Liga wird von den Besten dieser Position auch erwartet, dass sie sich gut in das Passspiel einfügen können. Sie müssen also auch in der Lage sein Passrouten zu laufen und den Ball zu fangen. Eine weitere ihrer wichtigen Kernkompetenzen ist außerdem das Blocking. Sie sollen in bestimmten Spielzügen in der Lage sein die O-Line zu unterstützen und dem QB mehr Zeit verschaffen.

Grundsätzlich unterscheidet man bei Runningbacks zwischen dem Halfback (HB, vgl. Bild 1) und dem Fullback (FB, vgl. Bild 2). Letzterer kommt in bestimmten Formationen und Situationen auf das Feld. Er wird selten in das Lauf- oder Passspiel eingebunden und dient in der Regel als zusätzlicher Blocker . Im Gegensatz dazu wird der Halfback entweder über den Boden oder die Luft ins Spiel gebracht und soll für den Raumgewinn sorgen. In aller Regel wird der Halfback einfach nur als Runnigback bezeichnet.

Der RB befindet sich in der Regel im Backfield, also hinter der Line-of-Scrimmage. Er steht meist neben oder hinter dem QB, in manchen Formationen auch leicht nach hinten versetzt (vgl. Bild 1).

Tight End

Die Position des Tight Ends (TE) vereint die Kompetenzen des Blockens und des Fangens des Footballs. Diese Spieler stellen sich in der Regel auf eine Seite der Offensive-Line an die Line-of-Scrimmage, weswegen sie berechtigt sind Passrouten zu laufen und den Ball zu fangen. Daraus ergeben sich mit jedem Spielzug zwei unterschiedliche Möglichkeiten für die Tight Ends: Entweder werden sie als Blocker zur Unterstützung der Tackle eingesetzt, um beispielsweise einen Blitz aufzufangen oder sie werden wie ein Wide Receiver in das Passspiel integriert.

Die besten Athleten auf dieser Position können genau diese Variabilität auf das Feld bringen und ihr Team bestmöglich unterstützen. Allerdings gibt es auch besonders gute Blocker unter den Tight-Ends, die vor allem bei Laufspielzügen aufgestellt werden, um dem RB möglichst große Lücken für seinen Run zu geben.

Wide Receiver

Die Wide Receiver (WR) sind der Grundbaustein jedes Passspiels. Sie sind in aller Regel die schnellsten Spieler auf dem Feld und müssen sehr agil und reaktionsschnell sein. Sie laufen ihre vorgeschriebenen Routen durch die Verteidigungslinien und müssen versuchen sich freizulaufen. Dafür müssen sie sich von ihren Verteidigern lösen, um im Anschluss möglichst sicher den Ball zu fangen.

Die Wide Receiver werden entlang der Line-of-Scrimmage aufgestellt und finden in der Regel mit ein wenig Abstand von der Offensive-Line und dem Tight End ihre Position. Früher bezeichnete man einen Receiver, der sich unmittelbar an die Line-of-Scrimmage stellt als Split End (vgl. Bild 2) und einen Passempfänger, der sich einen Schritt hinter der Linie positioniert (also offiziell im Backfield) als Flanker (vgl. Bild 3). Diese Bezeichnungen sind jedoch veraltet und finden in der Berichterstattung kaum noch Verwendung. Über die Zeit hat sich in der Taktiksprache der NFL die Unterscheidung in X-,Y- und Z-Receiver etabliert, damit die Playcalls kurz und knapp kommuniziert werden können.

Ein noch aktuell bekannter und wichtiger Wide Receiver-Typ ist der Slot Receiver. Dieser stellt sich zwischen der O-Line und dem äußeren Receiver in den sogenannten Slot (vgl. Bild 4). Diese besondere Ausprägung der Position zeichnet sich durch eher kleine und flinke Spielertypen aus, die besonders gut kleine Lücken zwischen den Zonen der Verteidigung finden.

Generell handelt es sich bei den modernen Top-Receivern um schnelle und gleichzeitig sehr große Athleten, die sich in Luftduellen gegen ihre Verteidiger durchsetzen können. Viele Teams nutzen ihre Receiver auch in den Special-Teams als Punt- oder Kick-Returner ein, wobei hier oft die kleineren Slot-Receiver bevorzugt werden.

Defense

Die Defensive (in der Grafik als Kreuze dargestellt) stellt ebenso elf Spieler auf den Platz. Diese dürfen sich frei nach den Vorstellungen des Coaches auf dem Spielplatz verteilen, solange sie dabei nicht die Line-of-Scrimmage übertreten. Grundlegend wird die Defensive in sogenannte 4-3 (vgl. Bild 1) und 3-4 (vgl. Bild 2) Schemata aufgeteilt. Diese werden nach dem Personal benannt, das auf dem Feld steht. Ausschlaggebend dafür sind die Anzahl der Spieler in der Defensive-Line und die Linebacker.

Während bei der 4-3 Formation vier Spieler in der Defensive-Line und drei Linebacker auf dem Feld stehen, kehrt sich dieses Verhälntnis in der 3-4 Aufstellung um. Dort besteht die D-Line lediglich aus drei Spieler und vier Linebackern. In aller Regel legt sich ein Team auf eine dieser beiden Varianten fest und nutzt dieses Schema überwiegend für seine Verteidigung. Hin und wieder kann es jedoch vorkommen, dass aus taktischen Gründen bewusst auf die andere Variante gesetzt wird, um den Gegner zu überraschen und zu verwirren.

Die Aufgabe der Defense ist es natürlich die Offensive vom Punkten abzuhalten. Dies kann auf mehrere Arten passieren. Entweder schafft man es der gegnerischen Offense innerhalb ihrer vier Versuchen nicht mehr als 10 Yards Raumgewinn zu geben oder man erzwingt einen Turnover von der Offense. Dieser Ballbestitzwechsel kann auf verschiedenen Arten und Weisen passieren. Die häufigsten Arten sind die Interception und der Fumble. Bei einer Interception fängt ein Verteidiger den Pass eines gegnersichen Spielers ab, während bei einem Fumble ein gegnerischer Spieler den Ball fallen lässt, der im Anschluss von einem Verteidiger aufgenommen wird. Dabei ist es der Defense sogar möglich selbst Punkte zu erzielen, wenn es ihr gelingt den Ball nach einer Interception oder einem Fumble in die gegenerische Endzone zu tragen.

Darüber hinaus unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Komponenten der Verteidigung: der Coverage und dem Pass Rush. Letzterer dient dazu, das Laufspiel zu stoppen und gleichzeitig den Quarterback unter Druck zu setzen. Davon erhofft man unüberlegte und spontane Fehlentscheidungen, die von der Verteidigung ausgenutzt werden können. Die Coverage hingegen dient dazu, dem Quarterback seine Passoptionen zu nehmen, indem man alle seine Receiver und Tight Ends abdeckt .

Das klingt grudnsätzlich simpel, allerdings muss man in der Verteidigung in der Lage sein, die Vorhaben der Offensive zu durchschauen und sie zu verhindern. Die dafür notwendige Übersicht ist nur über harte Arbeit und jahrlange Erfahrung, gemischt mit Talent und Instinkt zu erreichen.

Defensive-Line

Die Defensive-Line (D-Line) ist der Grundbaustein der Verteidigung. Sie besteht je nach Verteidigungskonzept aus drei oder vier Spielern und ist das Gegenstück der Offensive-Line. Um ihre Präsenz herum muss die Offense ihr Blocking aufbauen. Ihre Aufgaben und Positionsbezeichnung unterscheiden sich wie in der O-Line nach ihrer Positionierung auf dem Feld.

Das Zentrum der D-Line in einer 4-3 Verteidigung (vgl. Bild 1) besteht aus zwei Defensive-Tackles (DT, vgl. Bild 2). Die grundlegende Aufgabe der Tackles ist es, das Laufspiel der Gegner zu stoppen und ab und zu Druck auf den Quarterback auszuüben. Die guten DTs können es dabei mit mehreren Blockern auf einmal aufnehmen und so die gegnerischen OTs von ihren Linebackern fernhalten.

Sie werden von den Defensive-Ends (DT, vgl. Bild 3) unterstützt, die sich außerhalb der Tackles aufstellen. Sie sind der Hauptbestandteil des sogenannten „Pass-Rush„. Das bedeutet sie wollen den Quarterback am Passen hindern, indem sie ihn unter Druck setzen und am besten sogar für Raumverlust zu Fall bringen (auch „Sack“ genannt). Diese besondere Aufgabe verlangt eine Kombination aus Kraft, um es mit den physischen O-Linern aufnehmen zu können und Schnelligkeit, um möglichst schnell beim Quarterback sein zu können.  

In einer 3-4 Verteidigung (vgl. Bild 4) gestaltet sich der Aufbau etwas anders. Dort gibst es lediglich einen Defensive-Tackle, der sich in der Regel gegenüber des Centers positioniert. Er wir auch Nose Tackle (NT, vgl. Bild 5) genannt. Für diese Position muss ein Spieler ganz besonders krafvoll und stark sein, da sie von mehreren Seiten angegangen werden. Wirklich dominante NTs können jedoch einen Albtraum für jede Verteidigung darstellen. Umrahmt wird diese Position ebenfalls von zwei DEs, die in dieser Aufstellung deutlich enger zusammen stehen (vgl. Bild 5).

Generell lässt sich die D-Line sehr einfach daran erkennen, dass sie sich gegenüber der O-Line aufstellt. Vor manchen Spielzügen bewegt sich die D-Line noch ein paar Schritt nach link oder rechts. Dieser Vorgang wird auch als „Shift“ bezeichnet und wird genutzt, wenn beispielsweise ein Laufspielzug in eine bestimmt Richtung erwartet wird. Man erhofft sich so den Lauf besser unterbinden zu können.

Linebacker

Die Linebacker sind das Herzstück der Verteidigung. Sie vereinen alle Welten der Defense und werden sowohl für die Laufverteidigung, den Pass-Rush als auch für die Coverage gebraucht. Deswegen müssen Linebacker die vielseitigsten Athleten auf dem Spielfeld sein.

Ihre genauen Aufgaben hängen von der Anzahl der Linebacker auf dem Feld und ihrer Positionierung ab. Die vier Linebacker in einer 3-4 Verteidigung (vgl. Bild 1) unterteilen sich in zwei Inside-Linebacker (ILB, vgl. Bild 2) und zwei Outside-Linebacker (OLB, vgl. Bild 3). Die ILBs stellen sich in der Regel auf der Höhe der Offensive-Guards auf. Sie müssen es aufgrund des fehlenden D-Liners mit den offensiven Blockern aufnehmen können. Gleichzeitig ist es ihre Aufgabe den Lauf durch die Mitte zu stoppen und potenzielle Pässe in ihrem Zuständigkeitsbereich abzudecken. Sie benötigen also eine Mischung aus Stärke, Reaktionsschnell und Geschwindigkeit. Ähnlich verhält es sich mit den OLBs: Sie sind etwas kleiner und schneller als ihre Kollegen in der Mitte, werden in der 3-4 Verteidigung allerdings vorwiegend für den Pass-Rush eingesetzt.

In der 4-3 Verteidigung (vgl. Bild 4) gestaltet sich die Aufgabenverteilung etwas anders. Anstelle von zwei Inside-Linebackern übernimmt nur ein Middle-Linebacker (MLB, vgl. Bild 5) die zentrale Position in der Verteidigung. Er agiert dabei oft als Kopf der Defense und gilt als defensives Äquivalent des Quarterbacks. In seinen Aufgabenbereich fällt damit neben Blocken, Abdecken und eventuelle Hilfe im Pass-Rush auch das Lesen der Offensive. Das bedeutet er liest die Offense vor dem Snap und bereitet seine Mannschaft mit verschiedenen Ansagen und eventuell einzelnen Anpassungen auf den Spielzug vor. Im Gegensatz zu den OLBs in einer 3-4 Verteidigung, müssen die beiden Linebacke rechts und links vom MLB deutlich vielseitiger einsetzbar sein. Sie werden nicht primär für den Pass-Rush eingestetzt, sondern müssen die gleichen Aufgaben wie der MLB übernehmen. Das bedeutet sie müssen auch gegen den Lauf verteidigen und Passwege abdecken können.

Wenn man sich etwas tiefergehend mit der Taktiksprache des Footballs auseinanderstezt, trifft man in Bezug auf Linebacker früher oder später auf die Bezeichnung des Mike (vgl. Bild 5). Diese bezieht sich auf den MLB in einer 4-3 Verteidigung. Er wird oftmals vom Quarterback identifiziert, um sich in der gegenersichen Defense zu orientieren. Damit einher gehen auch die Namen des Sam (vgl. Bild 6) und Will (vgl. Bild 7). Sie beziehen sich auf die anderen zwei Linebacker, die sich links und recht vom MLB aufstellen. Dabei spielt der Sam auf der sogeannten starken Seite des Feldes und der Will auf der schwachen.

Die Linebacker lassen sich einfach identifizieren, da ich sich meist ein paar Yards im defensiven Backfield aufstellen. Allerdings können sie sich je nach defensivem Spielzug auch in die Defensive-Line einreihen und zusätzlichen Druck im Pass-Rush aufbauen.

Erklärung: Das Footballfeld lässt sich vor jedem Snap in zwei unterschiedliche Hälften entlang des Centers unterteilen: In die sogenannte Strong-Side (starke Seite) und die Weak-Side (schwache Seite). Diese Unterscheidung hängt von der Anzahl der Blocker links und rechts des Centers ab. Das in diesem Beitrag gewählt Beispielt hat auf der rechten Seite der Offensive-Line den Tight End. Damit wird die rechte Seite zur Strong-Side (rote Seite), da hier drei statt nur zwei Blockern aufgestellt werden. In aller Regel werden die Laufspielzüge über diese Seite gelaufen. Daher werden auf dieser Seite besondere Spielertypen eher gebraucht, als auf der schwachen Seite des Feldes.

Defensive-Backs

Die Defensive-Backs sind die letzte Verteidigungslinie. Sie werden insbesondere in der Passverteidigung eingesetzt und sind daher mit den Wide-Receivern die schnellesten Spieler auf dem Feld. Zu ihrer Hauptaufgabe gehört das Abschirmen der Receiver und das Unterbinden der Pässe. Die Backs müssen aber auch gute Tackler sein, da sie es regelmäßig mit größeren und toughen Gegenspielern zu tun bekommen. Sie unterscheiden sich grundsätzlich in zwei Positionen: Safeties und Cornerbacks.

In einem normalen Verteidigungschema übernehmen zwei Verteidiger die Rolle des Safety. Sie stehen am tiefsten im defensiven Backfield und übernehmen das Abdecken tiefer Routen. Sie werden (ähnlich wie die Linebacker) in Strong- und Weak-Side Verteidiger unterteilt. Der Strong-Safety (SS, vgl. Bild 2) spielt auf der starken Seite des Feldes und bekommt es daher besonders oft mit den toughen Runningbacks und Tight Ends zu tun. In der modernen NFL ist seine Position fast schon eher mit einem Linebacker als mit einem Defensiv-Back zu vergleichen. Dennoch muss er schnell genug sein, um nicht einen zu großen Nachteil gegen die Receiver auf der Strong-Side zu haben. Auf der anderen Seite des Feldes spielt der Free-Safety (FS, vgl. Bild 3). Er positioniert sich in der Regel am tiefesten im defensiven Backfield, damit er das gesamte Spielfeld im Blick haben kann. Er hat die Aufgabe, dass kein Receiver ihn überlauft und er muss ein besonders guter Tackler sein. Schließlich ist er die letzte Absicherung vor der Endzone, sodass jedes verpasste Tackle besonders schwere Folgen hat.

Die Cornerbacks hingegen werden nicht besonders unterteilt. Ihre Hauptaufgabe ist das Abdecken der schnellen Wide Receiver, weswegen sie besonders schnell sein müssen. Sie stellen die Außenbahnen des Feldes zu und stellen sich daher am weitesten nach außen (vgl. Bild 4).Ihre 1-gegen-1-Duelle gegen die Passempfänger können besonders spekatulär werden und für Highlight-Spielzüge sorgen, weswegen auf diesen Matchups immer ein besonderes Augenmerk liegt. Gute Cornerbacks scheuen auch nicht davor zurück mal in den Pass-Rush überzugehen und mit einem sogeannten Corner-Blitz den Quarterback zusätzlich unter Druck zu setzen.

Es kommt auch mal vor, dass ein zusätzlicher Defensive-Back für einen Spielzug auf das Feld kommt. Dafür nimmt das Team dann einen Linebacker oder Defensive-Line-Spieler runter. Insbesondere wenn ein tiefer Pass erwartete wird, greifen Teams zu diesem sogennanten Nickel-Back. Möchte eine Team noch einen sechsten DB aufstellen, spricht man auch von einem Dime-Back, der dann für zusätzlichen Schutz gegen den Pass sorgt.

Special-Teams

Wenn die Offensive eines Teams es nicht schafft innerhalb von drei Versuchen mehr als 10 Yards Raumgewinn zu erzielen, kommt in aller Regel für den vierten Versuch das sogennante Special-Team aufs Feld. Je nachdem wo ein Angriff auf dem Feld gestoppt wurde, verändert sich ihre Aufgabe und damit auch ihre Formation und die Positionen.

Kicker

Wird die Offensive beispielsweise kurz vor der Endzone gestoppt, wird das Special Team mit dem Kicker (vgl. Bild) für ein Fieldgoal auf das Feld geschickt. Im Gegensatz zu einem Touchdown gibt ein Fieldgoal nur 3 Punkte. Dafür muss ein Team sich nicht bis in die Endzone durchkämpfen, sondern kann aus der Entfernung versuchen, den Ball durch die beiden Stangen am Ende des Feldes zu schießen. Diese Aufgabe fällt dann dem Kicker zu, der nicht nur viel Kraft im Bein haben muss, sondern auch stets einen kühlen Kopf bewahren muss. An seiner Konzentration hängt oft der Ausgang eines Spiels, da spielentscheidende Momente in den letzten Sekunden oft durch ein Fieldgoal entschieden werden.

DIe Distanz aus der ein Team bereit ist, ein Fieldgoal zu versuchen, hängt von den Fähigkeiten des Kickers ab. Manche auf dieser Position können den Football über weite Distanzen präzise schießen, sodass ihr Team auch gerne aus weiterer Entfernung für ein Fieldgoal geht. Durchschnittlich spricht man davon, dass man ab der gegnerischen 35-Yard Linie in der sogenannten Fieldgoal-Range ist. Das entspricht dann etwa einem 52-Yard-Fieldgoal, das jeder Kicker in der NFL halbwegs zuverlässig treffen sollte.

Gut zu wissen: Die Länge eines Fieldgoals setzt sich aus drei Werten zusammen: Zunächst aus der Höhe der Line-of-Scrimmage (in diesem Beispiel die 15-Yard-Line), dann aus der Tiefe der Endzone (immer 10 Yards) und der Positionierung des Holders (in der Regel 7 Yards hinter der LoS). Für dieses Beispiel steht für den Kicker also ein 32-Yard-Fieldgoal an.

Der Kicker kommt aber nicht nur für einen Fieldgoal aufs Feld. Seine Aufgabe ist außerdem der Kickoff nach einem Score oder zu Beginn einer Halbzeit und das Verwandeln des PAT (Point after Touchdown), der nach jedem Touchdown wie ein Fieldgoal von der 15 Yard Linie vollzogen wird und einen zusätzlichen Punkt für das Team gibt. Also: Touchdown 6 Pkt. + PAT 1 Pkt. = 7 Pkt. pro TD.

Punter

Gelingt es der Defensive die Offensive bereits in der eigenen Hälfte zu stoppen, wird ein sogenannter Punt notwendig. Dieser dient dazu, den Ball so weit wie möglich auf die andere Seite des Feldes zu schlagen, damit der gegnerische Angriff möglichst weit von der eigenen Endzone beginnt. Dafür hat jedes Team einen eigenen Punter (vgl. Bild 1), der nur für diese Aufgabe ausgebildet ist. Auf der gegnerischen Seite steht bei einem Punt der sogenannte Punt-Returner (vgl. Bild 2) auf dem Feld, der den Punt fängt und im Anschluss versucht den Ball wieder in die andere Richtung zu tragen (gleich verhält es sich bei einem Kickoff mit dem Kick-Returner). Bei diesen Spielern handelt es sich in der Regel um kleine wendige und schnelle Receiver, die oftmals im Slot spielen.

Neben diesen Positionen sind noch die Longsnapper und der Holder erwähnenswert, die wichtig für den erfolgreichen Ablauf eines Fieldgoals, PATs und Punts notwendig sind. Der Longsnapper über nimmt die Position des Centers und muss (wie der Name unschwer erkennen lässt) den Football möglichst weit nach hinten snappen können. Dieser Ball landet dann entweder beim Punter oder (bei einem Fieldgoal-Versuch) bei einem Holder, der den Football fängt und für den Kicker aufstellt.